Die Freie Schule Leben und Lernen ist eine staatlich genehmigte Freie Alternativschule für die Jahrgänge 1 bis 10. Sie hat im August 2004 den Schulbetrieb mit 3 Lehrkräften und 18 Kindern in den ersten beiden Jahrgängen aufgenommen. Schulträger ist der gleichnamige Verein. Wir orientieren uns bei unserer Pädagogik und Methodik vornehmlich an Maria Montessori und an Rebeca und Mauricio Wild, bleiben aber offen für ergänzende Ansätze und eigene Entwicklungen.
Ausgehend von dem philosophischen Grundverständnis, das in jedem Menschen ein autarkes Wesen sieht, welches sich selber aus sich heraus entwickelt (Autopoiese), treten wir den Schülerinnen uns Schülern mit Respekt und Liebe entgegen und flechten beständig neue wissenschaftliche Kenntnisse aus dem Bereich der Neurobiologie, Psychologie und Pädagogik in unsere Pädagogik ein. Eltern wirken mit, um unsere Schule zu realisieren. Der enge Austausch zwischen Eltern und LernbegleiterInnen ist Bestandteil der Pädagogik.
Wir bieten unseren Schülerinnen und Schülern eine vorbereitete und entspannte Umgebung, in der sie nicht nur ungestört ihrer natürlichen Neugierde nachgehen können, sondern die ihnen auch ein breitestes Spektrum an Anregungen und Materialien bietet. Gleichzeitig üben wir keinerlei Druck auf die Kinder aus, was die freie Auswahl ihrer Themen, ihrer Aufenthaltsräume und Bezugspersonen und ihrer Tagesgestaltung betrifft.
So gibt es zwar im Tages- und Wochenverlauf wiederkehrende Angebote, die den Kindern helfen können, den Schultag zu strukturieren, und Angebote nach Bedarf, die Impulse geben können, aber es gibt keine Schulstunden und keine Pausenglocke, keinen Frontalunterricht und kein Stillsitzenmüssen, keine Noten und kein Sitzenbleiben, keine Pflichtfächer und keine Hausaufgaben, keine Klassen und keine Klassenziele. Alles Lernen beruht auf Freiwilligkeit.
Die Freie Schule Leben und Lernen befindet sich in Selent, ca. 25 Km östlich von Kiel. Sie begann als Initiative von Eltern und Lehrern in Kiel und Umgebung. Die Entscheidung für Selent beruhte darauf, dass wir ein Objekt benötigten, das sich nicht nur formal als Schulgebäude eignet, sondern das auch über einen attraktiven Außenraum verfügt und das finanzierbar ist. Das Gebäude in Selent erwies sich dabei nach langer Suche als nahezu ideal. Die damit verbundene Verlagerung des Schwerpunktes weg von Kiel mussten wir in Kauf nehmen. Trotzdem gehört Kiel wegen der guten Verkehrsverbindungen nach wie vor zum Einzugsgebiet der Schule.
Das Gebäude ist ein altes Schulhaus aus Backstein, das auf 3 Etagen genügend Platz bietet, um die Schule auch in ihrer endgültigen Ausbaustufe beherbergen zu können. Darüber hinaus steht ein Nachbargrundstück zum Verkauf, für das wir uns ein Vorkaufsrecht gesichert haben. Das Schulgrundstück liegt am Ende einer Sackgasse am Rande des Blomenburgparks von dem wir ein angrenzendes Waldstück als umzäunte Außenfläche nutzen dürfen.
Den Grundstock des didaktischen Materials bildet das "klassische" Montessori-Material. Hiermit können sich die Kinder alle wesentlichen Kulturtechniken eigenständig erarbeiten. Lesen und Schreiben, Mathematik und Geometrie, Grammatik und Semantik, Erd- und Himmelskunde. Über diesen inhaltlich ausgelegten Themenkanon hinaus liegen verschiedenste Materialien bereit, die dabei helfen können, die sensorischen und motorischen Sinne zu schärfen.
In Erweiterung dieses traditionellen Montessori-Materials werden wir den Kindern möglichst viele "unstrukturierte" Materialien bereithalten, die die Kreativität herausfordern und die den kindlichen Forscher- und Gestaltungsdrang nicht mit einem definierten didaktischen Ziel einengen. Wesentlicher Bestandteil dieses unstrukturierten Materials ist der Außenraum mit seinen Möglichkeiten zu bauen, zu toben, zu klettern, zu ruhen, und, und, und ...
Mit zunehmendem Alter der Kinder werden mehr und mehr "normale" Materialien hinzukommen. Bücher vor allem, naturwissenschaftliche Apparaturen und Modelle, Computer u.v.m. Aber auch Diskussionen in Arbeitsgruppen, Präsentationen von externen Profis, Praktika, Exkursionen. Und immer wird dabei für die Kinder aller Altersstufen die Möglichkeit bestehen, im persönlichen Gespräch mit den Lehrkräften Anregung, Bestätigung und Unterstützung zu erhalten, freilich ohne dass dabei mit vorschnellen Lösungen den eigenen Möglichkeiten des Kindes der Wind aus den Segeln genommen würde.
Ja. Erfahrungen aus anderen Freien Alternativschulen (FAS) zeigen, dass dort die Schüler und Schülerinnen nicht weniger lernen als an den Regelschulen. Ihr Wissen ist sogar eher umfassender, auf jeden Fall aber lebenspraktischer und nachhaltiger. Unsere Schule wird bis zur zehnten Jahrgangsstufe führen und es wird möglich sein, einen sog. externen Abschluss zu machen. D.h. die Kinder werden in einem Testverfahren vom Ministerium direkt geprüft. Es können so der Hauptschul- und der Realschulabschluss erreicht werden. Entsprechende Leistungen in diesem Abschlusszeugnis vorausgesetzt, steht einem Wechsel auf eine weiterführende Schule und damit einem Hochschulstudium nichts entgegen. Die Praxis an FAS belegt, dass es den Schülern gut gelingt, sich auf solche Prüfungen vorzubereiten und sie zu bestehen. Auch ohne zuvor Klassenarbeiten, Klausuren und Zeugnisse erlitten haben zu müssen.
Auch ein Wechsel auf eine Regelschule, der z.B. bei einem Umzug notwendig werden kann, stellt, was die schulischen Kenntnisse betrifft, üblicherweise kein Problem dar. Lediglich in den allerersten Jahren kann es bei Kindern, deren schulische Interessen sich biografisch später ausbilden, zu einem spürbaren Rückstand kommen. Andererseits fallen Kinder, die von einer Freien Alternativschule auf eine Regelschule haben wechseln müssen, dort häufig als überdurchschnittlich eigenständig, sozial kompetent, wissbegierig und anspruchsvoll auf.
Wir sind der Überzeugung, dass im Grunde das Gegenteil der Fall ist. Je weniger willkürlichen Zwängen das Kind ausgesetzt ist, desto stärker wird sein Selbstwertgefühl sein, mit dessen Hilfe es sich später notwendigen Zwängen mit innerer Gelassenheit unterordnen kann. Es ist dabei so, dass an unserer Schule keinesfalls eine Atmosphäre der Beliebigkeit und Zügellosigkeit herrscht. Vielmehr gibt es Regeln des Zusammenlebens, die getragen sind von einem tiefen Respekt vor den individuellen Bedürfnissen jedes Einzelnen. Und die "vorbereitete Umgebung" hält die natürliche Neugierde des Kindes wach und versorgt sie mit reichlich Nahrung.
Das hohe Maß an Freiheit, das die Schülerinnen und Schüler an unserer Schule genießen dürfen, ist ein zweifaches. Einerseits fließt es aus der Fülle der Möglichkeiten, die eigenen Lerninhalte und das eigene Lerntempo selbst bestimmen, und andererseits liegt es in es in dem Recht, das Gemeinschaftsleben mit seinen Ereignissen und Regeln demokratisch mitgestalten zu können. Unser Ziel ist es, nicht die Kinder in rosa Watte zu packen, sondern sie in besonderer Weise fit zu machen für die Erfordernisse einer immer komplexeren und reformbedürftigeren Welt. Willenlose Rädchen im Getriebe und profillose Karrieristen werden Sie unter den Abgängern unserer Schule allerdings nicht finden.
Die Verkehrsanbindung für Selent, das an der B 202 liegt, ist sehr gut. Es gibt eine stündlich verkehrende Busverbindung sowohl von Lütjenburg, als auch von Kiel aus. Die Fahrtzeiten mit diesen Bussen betragen 17 min. bzw. 35 min. (ab Kiel-ZOB). Das in unmittelbarer Nähe zur Freien Schule liegende Schulzentrum sorgt dafür, dass die Taktzeiten der aus der näheren Umgebung kommenden Buslinien in den für Schüler relevanten Zeiten deutlich dichter liegen. Von der Bushaltestelle bis zur Schule sind es ca. 5 min. Fußweg, größtenteils durch ein Wohngebiet mit geringem Autoverkehr. Ein eigener Schulbus ist in der Anfangsphase der Schule leider nicht finanzierbar.
Fahrgemeinschaften bieten hier eine Alternative. Dies gilt um so mehr, als Freistunden und Unterrichtsausfall an der Freien Schule Leben und Lernen nicht vorkommen werden: Dadurch, dass die Kinder sich ihre Themen und Materialien, ihre Räume und Bezugspersonen frei wählen können und durch das Fehlen von Fachstunden und Frontalunterricht entstehen weder strukturbedingte Freistunden, noch führt die Erkrankung einer Lehrkraft zu unüberbrückbaren Lücken. Die Schulzeit beginnt und endet für alle Kinder zur jeweils gleichen Uhrzeit
Das Schulgeld liegt z.Zt. bei durchschnittlich € 145,50 pro Kind. Für einen Normalverdienerhaushalt also ungefähr in Höhe des Kindergeldes. Geschwisterkinder zahlen weniger. Es gibt eine Sozialstaffelung, um auch finanziell Schwächeren ein Schulbesuch zu ermöglichen. Der letztendlich zu zahlende Betrag wird in einem vertraulichen Gespräch mit dem Schulträger festgelegt.
Der Hintergrund für diese hohen Beträge und den begrenzten Spielraum bei Ermäßigungen ist die Tatsache, dass in Schleswig-Holstein Schulen in freier Trägerschaft während der ersten 3 Jahre vom Staat keine finanzielle Unterstützung erhalten, und danach auch nur 80% der Vergleichssumme staatlicher Schulen. Um diese Lücke zu füllen, müssen wir leider die Ausgaben minimieren, einen hohen Kredit aufnehmen und Schulgeld verlangen.
Jedes Elternteil unserer Schule muss im Monat durchschnittlich 5 Arbeitsstunden einbringen. Zu den Tätigkeiten gehören u.a. Putzdienst, Gartenarbeit, Bürotätigkeiten, Herstellung von Unterrichtsmaterialien. Wesentlich für die Schule ist eine gute Zusammenarbeit von Schule und Eltern. Das Pädagogische Team steht deshalb jederzeit nach Absprache für Elterngespräche zur Verfügung und bietet von sich aus alle 6 Wochen themenzentrierte Elternabende, Elternfortbildung und Elterngespräche an. Es wird von den Eltern erwartet, dass sie regelmäßig (mind. 2x im Jahr) in der Schule hospitieren.
Grundsätzlich wird kein Kind aus finanziellen Gründen abgelehnt. Aufgrund der besonderen Pädagogik können an der Freien Schule Leben und Lernen auch Kinder mit besonderen Schwächen und Kinder mit besonderen Begabungen individuell gefördert werden und sich entfalten. Die Auswahl der Kinder trifft das Pädagogische Team nach Gesprächen mit den Eltern. Alle Anmeldungen, die bis zum 01.04. eines Jahres vorliegen, werden gleichberechtigt bis zum 01.05. entschieden. Ausschlaggebend ist dabei vor allem die wirkliche Zustimmung der Eltern zu dem pädagogischen Konzept. Außerdem wird darauf geachtet, innerhalb der Altersstufen eine heterogene und harmonische Gruppe zusammenzustellen. Geschwisterkinder werden selbstverständlich bevorzugt aufgenommen.
Die Freie Schule Leben und Lernen versteht sich auf der Basis einer Philosophie fußend, die den Menschen aus sich heraus handeln und sich entwickeln sieht. Wenn man sich nicht mit den der Pädagogik zugrundeliegenden Gedanken auseinandersetzt, ihnen nicht wirklich zustimmen kann, so ist es nicht ratsam, sein Kind auf die Freie Schule Leben und Lernen zu schicken. Dies würde über kurz oder lang zu Problemen führen, die weder für das Kind, noch für die Eltern noch für die Schule gut sind.
Die Freie Schule Leben und Lernen erwartet von ihren Eltern nicht nur, dass sie der Pädagogik in ihren Grundgedanken zustimmen und sich bemühen, diese Gedanken auch zu Hause umzusetzen. Vor allem erwartet die Freie Schule Leben und Lernen von ihren Eltern, dass sie Vertrauen haben in ihr Kind, in seine Selbststeuerungskräfte und in das, was es tut. Auch und gerade dann, wenn es über einen längeren Zeitraum so scheint, als würde das Kind in der Schule nichts lernen. Die Freie Schule Leben und Lernen ist eine Schule für Kinder aus besonderen Elternhäusern.